Die Ausstellung läuft von 23. Juli – 28. August 2021 in der GALERIE NIKOLAUS RUZICSKA.

FLORIAN MAIER-AICHEN (*1973 in Stuttgart) bezeichnet sich als „Painter-Photographer“ (Maler-Fotograf). Für ihn ist die Fotografie nicht Endprodukt, sondern Ausgangspunkt seiner künstlerischen Untersuchung. Das fotografische Bild als Möglichkeit, eine kompositorische Vision ebenso präzise und kreativ zu realisieren wie in Malerei oder Zeichnung: das verbindet FLORIAN MAIER-AICHEN mit Heinrich Kühn (1866–1944). Dieser gilt als Gründergestalt der internationalen künstlerischen Fotografie um 1900. Als Vertreter des Piktorialismus verquickte er Fotografie und Malerei mithilfe der ersten Farbfotografen, Autochrome genannt. Was das Ablichten von Landschaft anbelangt, sind die Gebrüder Bisson aus Frankreich die ersten, die das Hochgebirge (Mont Blanc Massiv) fotografieren, Gustave le Gray das Meer, Carleton Watkins das Yosemite Tal. Die Werke dieser ersten Fotografen aus dem 19. Jahrhundert sind bis heute Inspirationsquelle und Vorbild für FLORIAN MAIER-AICHEN. Für Watercolour, 418 feet, wählt er exakt denselben Standpunkt wie Carleton Watkins anno 1861, eine Hommage an seinen Vorgänger. Der Wasserfall schimmert nun in allen Farben des Regenbogens, eine ultraviolette Scheinwelt tut sich auf.

FLORIAN MAIER-AICHEN fotografiert ausschließlich analog mit einer Großformatkamera. Er baut mithilfe digitaler Verfremdungstechniken fiktionale Elemente in seine Fotografen ein, um sie von ihrem Status als superrealistisches Medium zu befreien. Da er nicht seriell arbeitet, wählt er für jedes Bild eine individuelle Größe und die für ihn geeignet erscheinende Präsentationsform (C-Print, Dye Transfer Druck, Gelatin Silver Print). Um die Irritation des Betrachters zu erhöhen, verwendet er einmal abgelaufene Filme, dann wieder Infrarotfilme: in Untitled, 2017 markiert die rote Färbung die Stellen in der Landschaft, wo organisches Material zu finden ist. Die Verfärbung bewirkt ein außergewöhnliches, weil rätselhaftes Erscheinungsbild der pazifischen Küste. Dem Künstler gefällt der Gedanke, seine Landschaften wie Landkarten lesen zu können, dementsprechend groß werden sie ausgearbeitet. Die Seascapes (Meerlandschaften) der Ausstellung sind inspiriert von Gustave le Gray, der bereits im 19. Jahrhundert verschiedene Negative für Himmel und Vordergrund verwendet hat, um Unschärfen in seinen Bildern zu vermeiden. Dieser Kunstgriff und die Verfärbung des Wassers in „Technicolor“ lassen das Werk unwirklich und entrückt wirken (Untitled, Arch Rock).

FLORIAN MAIER-AICHEN, der „Painter-Photographer“, lädt uns mit seinen Werken in eine fantastische Parallelwelt ein, die Spielraum für eigene Interpretationen lässt.