Foto: Michael Steinle_
Copyright: der Künstler und GALERIE NIKOLAUS RUZICSKA

Die Ausstellung läuft vom 22. Juli – 30. August 2022 in der GALERIE NIKOLAUS RUZICSKA.

BEN WILLIKENS (*1939 Leipzig), ist ein Meister im Umgang mit Perspektive, Licht und Schatten. Er erschafft Bilder, in denen die historischen, sozialen und existenziellen Dimensionen des Raums ausgelotet werden.

Im Alter von dreißig Jahren erfordert 1969 eine Krankheit einen fast einjährigen stationären Aufenthalt. Die Anonymität der Anstalt prägt den jungen Künstler. Die schwerwiegende Krise bewirkt eine Neuausrichtung in der Themenfindung. Der Raum als Metapher der menschlichen Befindlichkeiten wird zu seinem Markenzeichen: in strengem Grau, Weiß und Schwarz gehaltene, menschenleere, in renaissancehafter Meisterschaft ausgeführte Interieurs finden Eingang in BEN WILLIKENS‘ Bildwelt, die Anstaltsbilder entstehen.

Den historischen Raum handelt BEN WILLIKENS in mehreren Werkgruppen ab. In ORTE I und ORTE II (ab 1996) sucht er die Machtzentren des Nationalsozialismus auf. 1999 schafft er mit den Räumen der Moderne den Gegenpol: die Serie greift Schlüsselwerke der Architektur der Moderne auf, von Mies van der Rohe über Gerrit Rietveld bis hin zu Richard Neutra reichen die Paraphrasen. Auch Piet Mondrians Atelier in Paris wird uns vor Augen geführt (Raum 1398, Raum 1399 unserer Ausstellung). Ein Raum als Metapher für menschliche Befindlichkeiten par excellence, ist Mondrian doch bekannt dafür, dass er in einem vollends nach seinen Gestaltungsprinzipien ausgeführten und eingerichteten Atelier-Appartment wohnte. Erstmals kommt hier Buntheit ins Werk von BEN WILLIKENS: ganz dem echten Mondrian Appartement nachempfunden, bevölkern geometrische Formen in Rot, Gelb und Blau die Leinwand.

Setzt man sich mit Leben und Werk von Richard Neutra auseinander, verwundert kaum die Begeisterung von BEN WILLIKENS für den österreichisch-amerikanischen Architekten. Dieser sah „Architektur als erlebbares Ereignis, sie wird zur Medizin für Körper, Geist und Seele“. Seine Architektur ist geprägt von freien Grundrissen, Schiebetüren und -fenstern, raumhohen Glaswänden, riesigen Fensterflächen und mutet somit wie die gebaute Umsetzung von BEN WILLIKENS’Bildwelten an.

Die Kombination von stringenter Baukunst und dem Ausblick von Terrassen oder Balkonen in eine überbordende Natur stellt ein absolutes Novum dar: mit 79 Jahren schlägt der Künstler 2018 ein neues Kapitel in seinem Alterswerk auf. Die Beschäftigung mit Richard Neutra führt beides, Architektur und Landschaft, zusammen.

In sein Studio gewährt uns BEN WILLIKENS in der Floss Serie Einblicke: Fotografien seiner Arbeitsstätten in Stuttgart und Wallhausen werden mit Abbildungen von real existierenden Werken mithilfe von Digitaldruck auf Leinwand verquickt. Der Künstler erweitert mit Acrylfarbe den bestehenden Druck und schafft so einzigartige Werke, die zwischen digitaler und analoger Technik changieren. Mit faszinierend präzisen Perspektivdarstellungen öffnet der Künstler auch hier die Bildfläche und die Inszenierung seines fesselnden „Theaters der Abwesenheit“ beginnt.